Was ist Geodäsie und Geoinformatik?

Der Studiengang „Geodäsie und Geoinformatik“ richtet sich an BewerberInnen mit einem fundierten Grundverständnis im NWT-Fächerkanon (z.B. Mathematik, Physik, Informatik, Technik) eng verknüpft mit geowissenschaftlichem Interesse. Geodäsie und Geoinformatik sind wichtige Zukunftstechnologien und von großer Bedeutung für Entscheidungsträger (z.B. Politik, Wirtschaft) und Gesellschaft. Die AbsolventInnen werden im Rahmen ihrer späteren ingenieurberuflichen Tätigkeit ebenso fachspezifische Herausforderungen (z.B. Industrievermessung, Datenmanagement, Navigation) erfolgreich bearbeiten wie auch wichtige Beiträge zur Lösung drängender Umweltfragen, die die Dynamik des Systems Erde betreffen (z.B. Wasserkreislauf, Geodynamik), leisten und damit zur Entwicklung und nachhaltigen Sicherung natürlicher Ressourcen beitragen. Definiert wird die Geodäsie als „…die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erde – in Flächen, Punkten, Markierungen.“ In der Geoinformatik werden diese Geodaten modelliert, verwaltet, visualisiert und analysiert.

Das Besondere an der Geodäsie und Geoinformatik ist der Raumbezug. Heute basieren über 70 Prozent der Entscheidungen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik auf raumbezogenen Daten (Geodaten). Wichtig für verlässliche Daten sind aber auch noch andere Faktoren, etwa die Genauigkeit, die Qualität oder der Zeitpunkt der Erfassung.

In der Geodäsie geben moderne Forschungsbereiche wie Fernerkundung, geodätische Sensorik und Satellitengeodäsie den Ton an. Die Geoinformatik beschäftigt sich mit Datenstrukturen und Algorithmen zur Verarbeitung von Geodaten. Beispielsweise sind riesige Datenmengen und komplexe Modelle erforderlich, um die Wasserversorgung für Mega-Cities sicher zu stellen. Hier kann die Geoinformatik beispielsweise durch Geodaten-Infrastrukturen Geodaten verfügbar machen und in Geoinformationssystemen (GIS) auf Karten oder in 3D-Modellen visualisieren und analysieren.

Geodaten können mit Hilfe einer virtuellen Umgebung in sog. 3D-Caves dargestellt und analysiert werden. Der digitale Globus Google Earth zeigt anschaulich, welche zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten die Geoinformatik bietet. Die Geoinformatik-Forschung beschäftigt sich auch mit der Modellierung, Verwaltung und Analyse sich bewegender Objekte, beispielsweise beim Rutsch eines Hanges.

Der standardisierte Datenaustausch und die Zusammenführung heterogener Geodaten aus verschiedenen Datenquellen ist eine neue zukunftsorientierte Herausforderung für die Geodäsie und Geoinformatik. Mobile und webbasierte Geoinformationssysteme treten immer mehr in den Vordergrund. Auch für den nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Erde und für die Analyse von Naturereignissen wie Vulkanausbrüchen, Erdbeben und anderen Naturgewalten sind Geoinformationen unumgänglich.

Geodäsie und Geoinformatik - eine Wissenschaft auch für den Alltag

  • …um Räume präzise digital zu vermessen sowie für Geotagging und Georeferenzierung.

  • …um die geografische Position des Aufnahmeortes bei selbst aufgenommenen Fotos zu bestimmen.

  • OSM…um mit dem OpenStreetMap Projekt auf einer frei verfügbaren Weltkarte zu navigieren und sich dabei mit vielen Leuten auszutauschen sowie selbst per GPS bei der Verbesserung der Weltkarte mitzuhelfen.

  • …um Geodaten über Internet auszutauschen und beispielsweise mehr über die jüngsten Erdbeben zu erfahren

  • …um sich auf Reisen mit Google EarthGoogle Maps Navigation oder anderen Navigations-Applikationen zu orientieren.

  • Geocaching…um als digitaler und gleichzeitig realer Schatzsucher Geocaching zu betreiben.

  • …um die Gezeiten und das Wetter vorhersagen zu können.

Studium und dann?

Absolventen der Geodäsie und Geoinformatik arbeiten überall dort, wo Geodaten mit Hilfe moderner Informationstechnologien und digitaler Medien vermessen, erfasst, analysiert und visualisiert werden.

Die Absolventen der Geodäsie und Geoinformatik haben ausgezeichnete Berufschancen, und diese Entwicklung setzt sich auch in Zukunft fort.

Das Einstiegs-Jahresbruttogehalt eines Geodäten oder Geoinformatikers ähnelt dem eines Diplom- bzw. M.Sc. Informatikers. Es liegt laut einer Erhebung des manager-magazins bei rund 41.200 Euro.

Geodäsie und Geoinformatik – interessant und zukunftsträchtig.

Zu den Arbeitsfeldern eines Geodäten oder Geoinformatikers gehören:

  • die Vermessung und die Navigation mittels geodätischer Sensoren, in der Automobilindustrie oder bei der Robotik.

  • die Vermessung und das Monitoring von U-Bahn-Trassen, Tunneln, Brücken, Dämmen oder Talsperren im Auftrag von Ingenieurbüros.

  • die Vermessungen für die Immobilienbewertung, die Katastererstellung oder Flurneuordnung im Auftrag von öffentlichen Verwaltungen.

  • die Überwachung der Erde aus dem Weltraum. Dabei arbeiten wir mit nationalen und internationalen Luft- und Raumfahrtorganisationen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Europäischen Weltraumorganisation esa oder der NASA zusammen.

  • das Management von Geodaten für Ingenieur-, Architektur- und Vermessungsbüros, Behörden auf allen Ebenen sowie Geo- und Umweltkompetenzzentren, wie auch der Aufbau und das Management von Geodateninfrastrukturen in Deutschland oder Europa(weitere Informationen auf den Geo-Portalen Deutschlands und der Europäischen Union).

  • die Entwicklung von Software und 3D-Visualisierungen für Anbieter von Geoinformationssystemen (GIS), für mobile Navigationssystemen, für Energieversorger und Airlines, die Bahn und Telekommunikationsanbieter sowie Bundes- und Landesbehörden.

  • die Forschung, und zwar gemeinsam mit anderen Universitäten wie der Technischen Universität Delft und der ETH Zürich sowie gemeinsam mit nationalen und internationalen Großforschungseinrichtungen wie dem Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam GFZ, oder dem Joint Research Centre der Europoäischen Kommission.

  • die Analyse raumbezogener Daten für Versicherungen, z.B. zur Berechnung von Szenarien für Naturkatastrophen oder zur Wertermittlung von Immobilien und Grundstücken.

  • die Tätigkeit als selbstständiger Consultant, in der Lehre und Weiterbildung, im Vertrieb von Geodaten und Geomodellen sowie im Geomarketing, etwa bei der Standortentscheidung für einen Supermarkt oder dem Verlauf einer U-Bahn-Trasse.

 

 

Berufsbildvorträge sind im Studiengang „Geodäsie und Geoinformatik“ ein wichtiger Beitrag zur motivationalen Unterstützung in der Studieneingangsphase und zur frühen Forschungsorientierung sowie zur Berufsfeldschärfung. Sie wurden im Rahmen des Projekts LehreForschungPlus  im Teilprojekt 2.3 LernenCoaching erfolgreich und nachhaltig implementiert.

Historie: